Geschichte

Ein Standort mit Geschichte
// Die Berliner Kunsteisfabrik

Mitten im kreativen Herzen von Berlin, in der lebendigen Köpenicker Straße, befindet sich ein Gebäudekomplex , der mehr ist als nur ein Ort zum Arbeiten: Das Eiswerk.

Wo heute moderne Büroflächen, Co-Working Spaces neue Ideen beherbergen, begann einst eine ganz andere Arbeits-Geschichte – kühl, funktional und überraschend visionär.

Eiswerk Riverhouse Eiswerke 19 Jahrhundert

Errichtet Ende des 18. Jahrhunderts, war das Eiswerk ursprünglich eine der modernsten Anlagen seiner Zeit. Hier wurde Eis produziert – nicht für Drinks, sondern für die Versorgung einer wachsenden Metropole. Bevor elektrische Kühlung zum Standard wurde, war Eis ein kostbares Gut. Im Eiswerk wurde es industriell hergestellt, gelagert und per Kustche und u.a. über die Spree in alle Teile Berlins verteilt. Die massive Backsteinarchitektur der Alten Eisfabrik und des Kühlhauses  zeugen noch heute von dieser Ära industrieller Präzision.

Mit dem Fortschritt der Technik verlor das Eiswerk am Ende des 20. Jahrhunderts seine ursprüngliche Funktion. Doch anstatt in Vergessenheit zu geraten, begann eine neue Phase: Künstler, Kreative und Visionäre entdeckten das Areal für sich. Die rauen Wände, das besondere Licht und die einzigartige Atmosphäre machten es zu einem inspirierenden Ort für neue Ideen.

Eiswerk Riverhouse Eisbaer Skulptur
Eiswerk Riverhouse Bear Bg

Ein Bär aus Stein und Eis
// Die architektonischen Wurzeln einer Sportlegende

Ursprünglich thronte eine überlebensgroße, tonnenschwere Eisbären-Skulptur hoch oben im Dreiecksgiebel des repräsentativen Hauptgebäudes (Wohn- und Kontorhaus) an der Köpenicker Straße 41. Es diente als historische Vorlage des modernen Logos des Eiswerks. Auch Das Logo der „Eisbären Berlin“ ist kein Zufallsprodukt, sondern wurde 1990 gezielt als Hommage an die industrielle Geschichte des Eiswerks in der Köpenicker Straße entworfen.

Eiswerk Riverhouse Heute

Heute verbindet das Eiswerk auf faszinierende Weise Geschichte und Gegenwart. Sorgfältig revitalisiert, bietet es moderne Büroetagen in einem historischem Industrie-Areal – hohe Räume, großzügige Fenster und ein unverwechselbares Ambiente, das sich bewusst von standardisierten Arbeitswelten abhebt. Hier arbeiten Unternehmen, die nicht nur Räume suchen, sondern Identität. Das Eiswerk ist damit weit mehr als eine Immobilie: Es ist ein Stück Berliner Geschichte, das sich immer wieder neu erfindet – genau wie die Menschen, die hier arbeiten.

Die Entstehung der Köpenicker Straße

Die Köpenicker Straße gehört zu den ältesten Verkehrsachsen Berlins. Ursprünglich als Verbindungsweg zwischen der Doppelstadt Berlin und der damals eigenständigen Stadt Köpenick angelegt, entwickelte sie sich bereits im 18. und 19. Jahrhundert zu einer wichtigen Handels- und Transportroute entlang der Spree. Mit der fortschreitenden Industrialisierung siedelten sich hier zahlreiche Gewerbe- und Produktionsbetriebe an – die Nähe zum Wasser bot ideale Bedingungen für Anlieferung und Versand. So entstand ein urbaner Raum, der von Arbeit, Bewegung und Wandel geprägt war – und in dem später auch das Eiswerk seinen Platz fand.

Eiswerk Riverhouse Koepenicker Strasse Karte 2
Eiswerk Riverhouse Header Vorkriegszeit

19. und frühes 20- Jarhundert

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert lag das Eiswerk in einem pulsierenden Industriegebiet nahe der Spree. Die zentrale Lage in Berlin machte den Standort ideal für Produktion und Logistik – hier wurde Eis industriell hergestellt, gelagert und per Kutsche, Lastwagen und Schiff direkt in die Stadt verteilt. Das Gebäude war ein wichtiger Baustein der städtischen Infrastruktur – funktional, effizient und ganz auf Versorgung ausgelegt.

Eiswerk Riverhouse Fassade
Eiswerk Riverhouse Eismaenner
Eiswerk Riverhouse Eiswerke Natureis
Eiswerk Riverhouse Pause
Eiswerk Riverhouse Bolle

Bimmel-Bolle

Eiswerk Riverhouse Bolle 01

Carl Bolle, Namensgeber vieler Berliner Industrieanlagen – darunter auch der Eiswerke –, war einer der prägendsten Unternehmer des 19. Jahrhunderts. Als Maurermeister nach Berlin gekommen, baute er zunächst Mietshäuser und stieg dann in neue Geschäftsfelder ein: 1869 gründete er die Norddeutschen Eiswerke und organisierte die Versorgung der Stadt mit Natureis aus Gewässern wie dem Landwehrkanal und der Rummelsburger Bucht.

Eiswerk Riverhouse Bolle 2

Parallel entwickelte Bolle ein weit verzweigtes System zur Lebensmittelversorgung, vor allem durch seine Meierei, die Berlin industriell mit Milch belieferte. Die berühmten „Bolle-Wagen“, deren Fahrer mit Handglocken durch die Straßen fuhren, gaben ihm den Spitznamen „Bimmel-Bolle“. Sein Ansatz war systemisch: Produktion, Kühlung, Transport und Vertrieb griffen ineinander – ein Modell, zu dem auch das Eiswerk gehörte und das die Versorgung der wachsenden Metropole erstmals in großem Maßstab organisierte.

Eiswerk Riverhouse Eiswerke Zum Eisbaeren

Zerstörung

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand das Eiswerk Berlin in einer stark beschädigten, aber nicht zerstörten Stadtlandschaft. Während der Luftangriffe wurden Teile des Gebäudes in Mitleidenschaft gezogen – insbesondere Dach- und Fensterstrukturen –, die tragende Substanz aus Ziegel und Stahl blieb jedoch weitgehend intakt. Im Vergleich zu vielen umliegenden Bauten war das Eiswerk damit funktional eingeschränkt, aber nicht ruinös zerstört.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde der ursprüngliche Betrieb nicht wieder aufgenommen. Energieknappheit und veränderte Prioritäten machten die Eisproduktion zunächst obsolet. Stattdessen diente das Gebäude zeitweise anderen Nutzungen oder blieb ungenutzt. Konkrete Wiederaufbaupläne für den ursprünglichen Zweck sind nicht belegt; im Vordergrund stand die Sicherung und pragmatische Weiterverwendung der bestehenden Struktur.

Eiswerk Riverhouse Teilung

DDR-Zeit und Grenzverlauf

Mit der enstehung der DDR geriet das Eiswerk in eine völlig neue Realität. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 verlief die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin zwischen Mitte und Kreuzberg unmittelbar entlang der Spree. Das Eiswerk lag auf Ost-Berliner Seite – direkt am Rand des streng gesicherten Grenzgebiets. Die industrielle Nutzung trat zunehmend in den Hintergrund, Teile des Areals wurden zweckentfremdet oder nur noch eingeschränkt genutzt.

Unmittelbar am Wasser befand sich zudem ein Bootshaus der Grenzpatrouille, das später als Strandbar Kiki Blofeld bekannt wurde : Von hier aus überwachten Boote der DDR-Grenztruppen den Flussabschnitt. Die Spree wurde zur kontrollierten Grenze, das Eiswerk zum stillen Nachbarn eines hochsensiblen Sicherheitsbereichs. Wo einst reger Warenverkehr herrschte, bestimmten nun Kontrolle, Abschottung und die permanente Präsenz der Grenzsicherung das Bild.

Nach der Wende

Mit dem Fall der Mauer 1989 verlor der Ort schlagartig seine isolierte Lage. Die Grenzanlagen verschwanden, das Bootshaus verlor seine ehemalige Funktion – wurde zeitweise zum Club „Kiki Blofeld“ – und das Eiswerk selbst stand, wie viele Industriegebäude, zunächst weitgehend leer. Teile des Gebäudes lagen brach oder waren ruinös, Fenster zerbrochen, Strukturen ungesichert – ein Ort zwischen Verfall und Möglichkeit.

Gleichzeitig begann sich die Umgebung grundlegend zu wandeln: Entlang der Spree entstanden erste prägende Neubau- und Kulturprojekte, die den Grundstein für die heutige Entwicklung legten. Mit dem Radialsystem auf der anderen Spreeseite entwickelte sich ein international beachteter Ort für Musik, Tanz und Kunst direkt am Wasser. Gegenüber setzte der ver.di Bundesverwaltungs-Klotz ein architektonisches Zeichen für die neue Zeit.

Auch die öffentliche Infrastruktur wurde neu gedacht: Der Engelbecken wurde als Grünanlage wiederbelebt und verbindet heute die Quartiere mit hoher Aufenthaltsqualität. Gleichzeitig gewann der nahegelegene Berlin Ostbahnhof als wichtiger Verkehrsknotenpunkt zunehmend an Bedeutung und sorgte für eine bessere Anbindung des Gebiets.

So entwickelte sich rund um das Eiswerk in den Jahren nach der Wende Schritt für Schritt ein neues urbanes Gefüge – zwischen kulturellem Aufbruch, architektonischer Erneuerung und den Spuren der Vergangenheit.

Eiswerk Riverhouse Nsicht
Eiswerk Riverhouse Teepeeland 01
Eiswerk Riverhouse Teepeeland 02

Alternatives Leben

Auf den angrenzenden Flächen entlang der Spree entstand in dieser Zeit das sogenannte „Tepee Land“ – eine informelle, alternative Siedlung aus Zelten, Hütten und improvisierten Bauten. Hier lebten -und leben- über Jahre hinweg Menschen unterschiedlichster Hintergründe: Künstler, Aussteiger, Reisende und zeitweise auch Geflüchtete. Das Areal entwickelte sich zu einem ungewöhnlichen Freiraum mitten in der Stadt – geprägt von Improvisation, Gemeinschaft und einem bewusst einfachen Lebensstil.

Diese Episode steht exemplarisch für die Nachwendejahre Berlins: eine Zeit, in der Zwischenräume entstanden, Regeln neu verhandelt wurden und Orte wie das Eiswerk nicht nur baulich, sondern auch kulturell eine neue Bedeutung erhielten. Heute ist davon noch ein schmaler Streifen übrig – die Geschichten dieser Phase sind also Teil der besonderen Identität des Standorts geblieben.

Eiswerk Riverhouse Holzmarkt 02
Eiswerk Riverhouse Holzmarkt 01

Heute

Heute zählt die Gegend zwischen Mitte und Kreuzberg zu den dynamischsten Quartieren von Berlin. Das Eiswerk-Areal wurde behutsam revitalisiert und verbindet seine industrielle Geschichte mit modernen Nutzungen. Die ehemaligen Produktionsflächen sind zu charakterstarken Büroetagen und Co-Working-Spaces geworden – mit Blick auf die Spree, wo einst Grenzboote patrouillierten.

In direkter Nachbarschaft haben sich mit dem Spreefeld Berlin und dem Holzmarkt 25 gegenüber  zwei Projekte etabliert, die den Geist des Ortes auf ihre eigene Weise weitertragen: Der Holzmarkt als lebendiges, kulturell geprägtes Areal mit Gastronomie, Ateliers und Veranstaltungsorten – und das Spreefeld als innovatives Wohn- und Arbeitsprojekt mit gemeinschaftlichem Ansatz direkt am Wasser.

So entsteht rund um das Eiswerk ein einzigartiges Umfeld, in dem sich Arbeiten, Kultur und urbane Lebensqualität miteinander verbinden. Das Eiswerk ist damit nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern Teil eines gewachsenen, kreativen Ökosystems – ein Ort, an dem Geschichte spürbar bleibt und gleichzeitig Zukunft gestaltet wird.